Die Physik lehrt, dass der Mensch keine Energie herstellen kann. Und dass der Mensch auch keine Energie zerstören kann. Er kann nur Energie umwandeln. Das erstaunt. Denn im Alltag sprechen wir regelmässig von „Energieerzeugung“, „Energieverbrauch“ und „Energiekrise“. Die Physik erklärt jedoch, dass die Energie in einem geschlossenen System konstant ist. Eine „Energiekrise“ ist also streng physikalisch nur eine menschliche Krise, die mit der Energie an und für sich nichts zu tun hat, denn letztere kann sich gar nicht in der Krise befinden. Sie ist konstant und ewig.
Für den Menschen aber ist Energie das Rückgrat seiner Existenz. Ohne Energie kann der Mensch nicht leben. Ohne Energie ist materielle Produktion unmöglich und ein Wirtschaftskreislauf undenkbar. Wir brauchen jeden Tag und jede Nacht, ja jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde Energie, sie ist ein Teil unserer Existenz und in diesem Sinne unersetzbar. Wenn wir weniger Energie haben als wir unbedingt brauchen, befinden wir uns in einer Energiekrise.
Die Historiker kennen heute vor allem zwei Energiekrisen, die auch als „Ölkrisen“ bezeichnet werden: Jene von 1973 und jene von 1979/80, als die Erhöhungen des Rohölpreises in den Industrieländern eine starke Rezession auslöste. Um das knappe Angebot an Erdöl zu rationieren, wurden auch in der Schweiz Sonntagsfahrverbote erlassen. In den USA wurden spezielle Benzinnoten gedruckt (Bild), welche dem Inhaber das Recht geben, Benzin zu erwerben. Sie wurden aber nicht verwendet, da sich die Krise relativ schnell wieder entspannte.
Beide Krisen hatten politische und nicht geologische Gründe. 1973 drosselte die OPEC nach dem Yom Kippur Krieg die Erdölproduktion, der Ölpreis stieg von rund drei Dollar pro Barrel auf über fünf Dollar. Bei der zweiten Energiekrise stieg der Ölpreis in der Folge der Revolution im Iran und dem Angriff des Irak auf den Iran auf 38 US-Dollar. Beide historisch bekannten Energiekrisen endeten, als sich die politische Situation entspannte. Sie sind daher nur beschränkt mit der Peak Oil Energiekrise vergleichbar, da jene geologisch bedingt ist und kein absehbares Ende hat.